Ökologische Trassenpflege als Chance für den Naturschutz

Beispiel Naturschutzgebiet Ehinger Ried

Behutsame Trassenpflege im Schutzgebiet

 

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist eine der Rote Liste-Arten im Ehinger Ried. - Foto: NABU/Christoph Kasulke

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist eine der Rote Liste-Arten im Ehinger Ried. – Foto: NABU/Christoph Kasulke

Der Ausbau und Betrieb der Stromnetze kann mithilfe des Ökologischen Trassenmanagements (ÖTM) naturverträglich gestaltet werden. Es verhindert eine Zerschneidung von Lebensräumen und leistet einen wertvollen Beitrag zum Biotopverbund. Ein Ziel des Dialogforums Erneuerbare Energien und Naturschutz ist es daher, das ÖTM bekannter zu machen und die Akteur*innen zu beraten.

Ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit der Akteur*innen bei der Trassen- und einer schonenden Landschaftspflege in Schutzgebieten ist das Ehinger Ried, ein 21 Hektar großes Naturschutzgebiet im Landkreis Konstanz. Das ehemalige Verlandungsmoor ist Rückzugsgebiet für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Darunter sind auch einige Rote Liste-Arten, wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, die Nachtigall, Wollgras und Glanzkraut, welches unter europäischem Schutz steht. Die Feuchtwiesen im Schutzgebiet sind sensible Biotope. Werden Eingriffe ohne Berücksichtigung des Naturschutzes vorgenommen, können hier zum Beispiel durch Bodenverdichtung, Nährstoffeintrag oder Veränderung der Artenzusammensetzung dauerhafte Schäden entstehen.

Durch das Ehinger Ried verlaufen drei Stromleitungen. Um Stromausfällen durch hineinwachsende und umgestürzte Bäume vorzubeugen, finden hier alle drei bis fünf Jahre Gehölzpflegearbeiten statt. Diese Trassenpflege verläuft behutsam und nach ökologischen Kriterien. Die jeweiligen Schutzziele und Maßnahmen sprechen die beteiligten Akteur*innen frühzeitig miteinander ab. Um die Eingriffe in das Naturschutzgebiet möglichst gering zu halten, sind bestimmte Regeln einzuhalten.

Wichtige Aspekte für die Gehölzpflege im Ehinger Ried

 

Stromleitungen durch das Ehinger Ried. Foto: BUND/Annette Reiber

Stromleitungen durch das Ehinger Ried. Foto: BUND/Annette Reiber

Um nicht zu stark in das Naturschutzgebiet einzugreifen, ist die Anzahl der Rückschnitte auf ein Minimum reduziert. Die langsam wachsenden Bäume und Niederbüsche werden entweder gar nicht oder nur sehr selten beschnitten. Schnell wachsende werden stark zurückgeschnitten oder auf den Stock gesetzt, um langfristig gesehen möglichst selten in das Naturschutzgebiet einzugreifen. Sensible Flächen, wie die Feuchtwiesen, werden von Baumbewuchs freigehalten, um den Charakter und die Artenzusammensetzung zu erhalten. Die Äste des Baumschnitts bleiben als Totholz und zum Greifvogelschutz für Amphibien und Bodenbrüter teilweise am Rand liegen, der Rest wird schonend mit dem Seilzug entfernt. Außerdem werden nur leichte Maschinen verwendet, mit denen der Dienstleister, soweit möglich, nur von den Wegen aus arbeiten kann.

Grundsätzlich werden Eingriffe nur außerhalb der Brutsaison vorgenommen, um die im Naturschutzgebiet lebenden Tiere nicht zu stören. Zudem sollten die Pflegearbeiten im Ehinger Ried nur unter bestimmten Witterungs- und Bodenverhältnissen – bei trockener Witterung oder Frost – durchgeführt werden, um Bodenverdichtung sowie Spurrillen und deren negative Folgen zu vermeiden. Wenn möglich werden Brutvogelkartierungen vor den Pflegemaßnahmen vorgenommen, um mögliche Auswirkungen zu bewerten.

Akteur*innen der Energiewende und Trassenpflege im Ehinger Ried

(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

 
 

Eindrücke aus dem Naturschutzgebiet Ehinger Ried