Wärmewende: Zentraler Baustein der Energiewende 

Bisher ging es bei der politischen Zielsetzung, aber auch bei den Maßnahmen vor allem um die Strom- und Mobilitätswende. Dabei ist der Wärmesektor für rund 40 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlichMit einem Anteil von zirka 50 % am Endenergieverbrauch ist die Wärmeversorgung sogar der größte Verbrauchssektor, noch vor den Bereichen Verkehr und Strom (Vgl. Abb.). Für den Klimaschutz bzw. das Gelingen der Energiewende ist der Ersatz fossiler Brennstoffe in der Wärmeversorgung also entscheidend. Daher ist die Wärmewende ein zentraler Baustein der Energiewende mit enormer Bedeutung für die Bewältigung der Klimakrise.

 

Energieverbrauch Deutschland im Jahr 2023

Mit rund 19 Prozent ist der Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmesektor in Deutschland noch gering (Stand 2024: 18 % des Endenergieverbrauchs für Wärme- und Kälte-Versorgung)Insbesondere ist die Erzeugung von Raumwärme in Gebäuden zum Großteil immer noch fossil. Erdgas als Energieträger spielt im Industriesektor bisher eine große Rolle, vor allem für die Erzeugung von Prozesswärme. Der Ausstieg aus den konventionellen Energieträgern bei der Wärmeerzeugung muss mit einer großen Geschwindigkeit erfolgen, damit das notwendige Ziel der Klimaneutralität 2040 erreicht werden kann 

Regenerative Wärmenetze
Ein wichtiger Baustein für die Erreichung der Klima– und Wärmewende-Ziele ist der Aufbau von Wärmenetzen mit Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien bzw. der Ausbau sowie die Dekarbonisierung von bestehenden Wärmenetzen.

Alle erneuerbaren Energien, aber auch industrielle Abwärme können in Wärmenetze eingespeist werden. Abwärme aus BiogasanlagenGeothermie, Solarthermie und Hackschnitzel haben bisher unter den Erneuerbaren die größte Bedeutung. Wind- und Solarenergie, aber auch beispielsweise Wärme aus Gewässer (Aquathermie) können große Wärmepumpen antreiben. Diese nutzen beispielsweise Wärme aus Luft, Gewässern, Abwasser, Erdreich oder industrieller Abwärme und heben sie auf das benötigte Temperaturniveau an.  

Der Aus- und Umbau erneuerbarer Wärmenetze erfordert hohe Investitionen für neue Infrastruktur, langfristige Planung und die Erschließung geeigneter Wärmequellen. Zugleich müssen bestehende Netze technisch angepasst, genügend Gebäude angeschlossen und Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit sowie Naturverträglichkeit gewährleistet werden. Zudem ist die Reduktion des gesamten Energieverbrauchs essenziell. Verantwortlich dafür sind die Städte und Gemeinden, die mit der kommunalen Wärmeplanung in Baden-Württemberg über einen wirksamen Hebel verfügen, um die Energiewende voranzubringen.  

Kommunale Wärmeplanung 

Wärme lässt sich, anders als Strom, aufgrund hoher Verluste nicht weiter als ca. 20km effizient transportieren und ist daher abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. Wie wir heizen, hängt vor allem von Entscheidungen in unserer Gemeinde ab. Diese sind nun durch das Wärmeplanungsgesetz gesetzlich verpflichtet, Pläne für die Wärmewende aufzustellen (Kommunen > 100.000 EW bis spätestens 30.06.2026; Kommunen < 100.000 EW bis spätestens 30.06.2028). Weitere Informationen zu den Bausteinen der Wärmeplanung, beispielsweise wie diese mitgestaltet werden kann, sowie Publikationen zur Wärmewende und kommunaler Wärmeplanung finden Sie auf der Homepage des BUND Baden-Württemberg 

Naturschutzaspekte bei der Wärmewende

Im Rahmen der Wärmewende können Belange des Natur– und Umweltschutzes direkt oder indirekt betroffen sein. Direkte Effekte entstehen beispielsweise, wenn unmittelbar durch Fassadendämmung Habitate von Brutvögeln oder Fledermäusen zerstört, Flächen zur Wärmegewinnung in Anspruch genommen oder Wärme Gewässern entzogen wird. Indirekte Effekte werden verursacht, wenn beispielsweise Strom für Wärmepumpen benötigt wird und für die Strombereitstellung durch den Bau von Windenergieanlagen Vögel und Fledermäuse beeinträchtigt werden. 

Handlungsleitfaden zur Wärmewende

Folgende Umweltaspekte bei der Wärmewende sind zu beachten:

 

Flächeneffizienz

Aus Naturschutzsicht ist ein zentrales Ziel bei der Wärmebereitstellung, Flächen so effizient wie möglich zu nutzen. Hierzu trägt sowohl die Erhöhung der Gebäudeeffizienz als auch die Auswahl moderner und flächeneffizienter Technologien bei.

 

Großwärmepumpen

Großwärmepumpen können im Allgemeinen als eine mit dem Naturschutz gut vereinbare Technologie bezeichnet werden. Mögliche Belastungen für Luft, Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer lassen sich durch eine sorgfältige Planung und einen naturverträglichen Betrieb weitgehend vermeiden. Dazu gehören auch die Bündelung mit bereits bestehender Infrastruktur sowie der sichere Umgang mit Kältemitteln sowie ein möglichst geringer Flächenverbrauch.

 

Biomasse

In Bezug auf Biomasse sind primär Rest- und Abfallstoffe zu verwenden. Schadholz oder das ohnehin anfallende Restholz, welches bei der stofflichen Verwertung entsteht, sollten genutzt werden. Aus Mais und anderer Anbaubiomasse gewonnenes Biogas ist aus Gründen der Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion und der Effizienz der Energiegewinnung kritisch zu betrachten (laut Umweltbundesamt lassen sich mit Photovoltaik pro Hektar 40-mal mehr Strom erzeugen als aus Mais). Im Zusammenhang mit dem Klimakrise, den dadurch geschädigten Wäldern und dem Import von Holzbiomasse ist die Herstellung und Verwendung von Holzhackschnitzeln sowie Pellets kritisch. Klar zu vermeiden sind eine Intensivierung der Waldbewirtschaftung sowie Rodungen für die energetische Nutzung von Holzbiomasse. 

 

Solarthermie

Bei der Solarthermie ist eine Installation auf ohnehin versiegelten Flächen zu bevorzugen, beispielsweise auf Dächern. Allerdings ist Solarthermie inzwischen nur noch in Verbindung mit großen Speichern sinnvoll (ansonsten Bevorzugung PV in Kombination mit Wärmepumpe)Bei der Umsetzung von Freiflächen-Solarthermie-Anlagen sollte durch gesetzliche Vorgaben sichergestellt werden, dass die Biodiversität der beanspruchten Flächen verbessert wird. 

 

Wärmenetze

Wärmenetze reduzieren in Verbindung mit großen Wärmespeichern den Bedarf an Erneuerbaren-Anlagen. Bei der Planung und beim Bau von Wärmeleitungen nnen nachteilige Auswirkungen durch entsprechende Bodenschutzmaßnahmen und Bündelung mit anderen Infrastrukturleitungen minimiert werden. 

 

Wärmespeicher

Wärmespeicher haben je nach Speichertyp eine geringere Flächeneffizienz und relevante Auswirkungen auf Natur und Landschaft (Erdbeckenspeicher) bzw. eine gute Flächeneffizienz und weniger Auswirkungen auf Natur und Landschaft (Aquifere). Welche Auswirkungen Temperaturerhöhungen im Untergrund haben, ist allerdings noch nicht wirklich erforscht. Naturschutzfachlich wertvolle Flächen sollten bei der Standortwahl kritisch betrachtet und nicht genutzt werden, sofern die Vereinbarkeit mit dem Naturschutz nicht gegeben ist. 

 

Geothermie

Geothermie kann klimafreundliche Wärme liefern, ist jedoch je nach Standort mit Eingriffen in Boden, Grundwasser und geologische Schichten verbunden. Eine naturverträgliche Planung erfordert daher eine sorgfältige Standortwahl, den Schutz sensibler Lebensräume und Gewässer sowie eine fachgerechte Ausführung und Überwachung der Bohrungen, Grundwasser und Seismizität. 

 

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